Samstag, 9. Juni 2007

Uyuni

Kaum haben wir unsere Maschinen im Hinterhof abgeladen, mit unseren Abdeckhüllen (Burkas wie der Götz sagt) zugedeckt und unsere Taschen im kleinen Zimmer verstaut, gehen wir schon auf die Piste, um eine Salzsee- und Seentour zu buchen. Gleich als wir hinausgehen wollen, fragt uns die Besitzerin, ob wir eine Tour buchen wollen. Wir erfragen uns die Details wie, Fahrzeug, wo geschlafen wird, Preis und wie lange die Tour geht. Mit den gewonnenen Informationen zotteln wir in Richtung Stadtmitte.

Im kleinen Städtchen Uyuni liegt alles sehr zentral beim kleinen Zeitturm. Dort fragen wir bei zwei Agenturen nach demselben Angebot und finden am Schluss, dass die Hotelbesitzerin ein gutes Angebot gemacht hat. Dort gibt es eine Nacht gratis und das für 100 Dollar pro Person. Also gehen wir zurück zum Hotel und kaufen das Angebot für den nächsten Tag. Ich hoffe, dass der beschriebene Landcruiser (der Geländewagen von Toyota) das Model 80 ist und nicht wie die vielen 60er Modelle die auf der Strasse zu sehen sind. In einem sehr kühlen Restaurant geniessen Gaby und ich eine feine Pizza als Abendessen. Danach zieht uns die Kälte in das Hotelzimmer, um für den nächsten Tag gut ausgeschlafen und fit für die drei tägige Tour zu sein.

Erster Tag, auf dem Salzsee

Wir sind am Morgen wie immer überpünktlich für die Tour parat. Der Guide mit dem Landcruiser sollte um 10:00 Uhr bei uns vor dem Hotel vorfahren, aber er tut es einfach nicht. Die Leute vom Hotel rufen ihn schon an, wo er denn stecken würde. Er stecke bei der Tankstelle fest, wird uns nach einer halben Stunde Verspätung mitgeteilt. Ok, wir können warten. So gegen 10:45 Uhr kommt der Landcruiser, leider das alte Model 60, bei uns an. Darin sitzen schon alle weiteren Gäste. Wir sind sechs an der Zahl, zwei Holländer, ein Engländerpärchen und wir zwei Schweizer.

Alle hoffen, dass es jetzt auf den Salzsee geht, doch wir haben uns alle geirrt. Zuerst sehen wir eine Tankstelle von Uyuni, der Guide musste anscheinend seine Warterei bei der Tankstelle unterbrechen, um uns endlich aufzuladen. Kein Problem, aber jetzt wo wir voll getankt sind, geht’s endlich los. Nein, nein, es müssen noch alle Reifen bei einem Reifenheini kontrolliert werden. Auch gut, Sicherheit geht vor. Aber jetzt endlich verlassen wir Uyuni und fahren in Richtung Eisenbahnfriedhof.

Aussehalb von Uyuni rosten die alten Dampfloks vor sich hin. Diese wurden hier einfach abgestellt als die Dieselloks eingesetzt wurden. Nun darben sie hier in der Sonne so vor sich hin, bis einer sie dem Alteisen zuführt. Aber jetzt geht es auf den Salzsee. Bei einem kleinen Dorf kurz vor dem Weiss des Sees halten wir kurz, um die Salzgewinnung hier erklärt zu bekommen. Es hat auch ein kleines Museum, das keinen von uns interessiert. Natürlich hat es überall Stände um bolivianisches Kunsthandwerk kaufen zu können. Auch dazu haben wir keine Lust. So signalisieren wir schnell unserem Guide, dass wir weiterfahren wollen. Also fährt der Guide direkt auf den Salzsee. Bei Salzhaufen die etwa einen Meter hoch sind, stoppt er den Landcruiser und erklärt uns, dass hier das Salz getrocknet wird und wir hier Fotos schiessen können. Alle mit einem Satz aus dem Auto, aber nicht ohne Sonnenbrille. Das Weiss blendet in den Augen so stark, das es ohne Brille gar nicht geht, oder man würde sehr schnell „Schneeblind“ werden. Alle knipsen Fotos von sich und den Salzhaufen. Danach sind alle kreativ, wir versuchen perspektivische Fotos mit kleinen Gegenständen in der Front und einer Person die dahinter steht zu machen. So versuchen Gaby und ich ein Foto zu machen, wo Gaby eine Zigarettenschachtel besteigen will. Danach werden Handstände geübt und so weiter uns sofort.

Nach der langen Knipserei fahren wir über den Salzsee. Das Weiss scheint Schnee zu sein. Es kommt einem vor, als wäre man auf einem Gletscher. Die Fahrt wird beim einem Salzhotel wieder unterbrochen. Das ganze Gebäude und die Tische draussen und drinnen sind aus Salzsteinen gebaut. Drinnen könnten wir Fotos in den Schlafzimmern schiessen, aber nur gegen Entgelt. Das können wir heute Abend billiger haben, denn in einem solchen Hotel, an einem anderen Ort, werden wir übernachten. Wir alle freuen uns schon darauf.

Die Fahrt über den 160km breiten Salzsee wird bei einer Insel wieder gestoppt. Dort können wir auf dem Park herumkraxeln und danach gibt es endlich das ersehnte Mittagessen. Der Aufstieg zum höchsten Punkt der Insel ist atemberaubend. Die vielen haushohen Kakteen mit ihrem gelb-grün, dahinter die unendliche weisse Weite und der Horizont mit seinem stahlblauen Himmel. Man kann es einfach nicht in Worten fassen, so schön ist es.

Das Essen ist einfach, aber gut. Reis mit Gurken-Tomatensalat und Lamakotletten. Ja, es gab Lama, das sehr fein ist. Geschmacklich geht dies in die Richtung Schwein-Rindgemisch.

Der Nachmittag neigt sich langsam dem Ende zu und wir fahren in Richtung Salzhotel. Dieses sieht dem vom Vormittag ähnlich, ausser das es nicht auf dem See steht, sondern auf einem Hügel bei einem Dorf, nahe dem Ufer. Vor der Tür sammeln sich auch viele andere Touren, wie schon den Tag über. Alle laden die Fahrzeuge ab und die Gäste werden auf die Zimmer verteilt. Also ein Bett aus Salz habe ich mir nicht vorstellen können, nun stehen Gaby und ich vor zweien. Eigentlich ist es ein Tisch, etwas tiefer gelegt und mit Decken überhäuft. Die einen sind als Matratzen gedacht und die anderen als Decke. Ok, das wird sicher eine harte Nacht, denke ich mir so.

Kaum haben wir die Zimmer bezogen, werden wir von unserem Guide an einen Tisch geführt wo er uns Tee und Kekse serviert. Wir Touris setzen uns gerne und fangen an uns auszutauschen. Hier erfahren wir, dass die beiden Engländer nicht mit uns zurückkommen, sie werden an der chilenischen Grenze abgeholt werden. Das machen viele Touris, um so direkt nach Chile zu kommen. In unserem vertieften Gespräch serviert uns der Guide das Abendessen, das auch sehr fein ist. Danach informiert uns der Guide über den morgigen Tag, dass wir früh aufstehen und den Sonnenaufgang auf dem See ansehen werden, danach in Richtung den kleinen Seen fahren werden und die Nacht wieder in einer Unterkunft verbringen werden. Wir alle freuen uns auf Morgen. Gaby und ich gehen zeitig ins Bett, da wir völlig müde von diesem Tag sind.

Zweiter Tag, die fünf kleinen Seen

Früh um 5 Uhr werden wir aus dem doch sehr bequemen Salzbett geholt. Das Frühstück ist klassisch mit Kaffee, Tee, Brot und Konfitüre. Dieses wird mit müden Augen einfach verdrückt, um danach zackig für die Abfahrt parat zu sein. Der Morgen ist saukalt. Alle frieren im Landcruiser, die Heizung wird nicht oder ist nicht angestellt. Alle frieren an die Hände und Füsse. Doch als wir auf dem Salzsee ankommen, werden wir mit einem feuerrotem Spektakel belohnt. Die Sicht auf die rot glühende Bergkette in unserem Rücken ist einfach grandios. Nachdem die Sonne im Osten über die hiesige Bergkette gestiegen ist, drängt der Guide zur Weiterfahrt. Es geht dem Westufer des Sees entlang, in Richtung Grenze von Chile. An dieser Grenze werden wir in einem Tal entlang fahren, bis wir an der Laguna Verde angekommen sind. Danach geht es wieder zurück.

Irgendwie werde ich bei der Autofahrt nicht schlau. Ich glaube der Guide benützt nie die Bremsen. Das ist mir gestern schon aufgefallen. Immer wenn er anhalten wollte, liess er das Auto ausrollen. Vielleicht eine Energiesparmassnahme.

Vor uns fährt ein neuerer Landcruiser, der aber nicht das gehetzte Tempo von unserem Guide hat. Unser Guide versuchte das vordere Fahrzeug zu überholen. Wahrscheinlich um weniger Staub ab zu bekommen. Doch das gelingt ihm nicht. In einer kleinen S-Kurve mit Senke verschätzt er sich so sehr, dass er hätte bremsen müssen. Doch wie ich es mir schon gedacht habe, funktionieren die Bremsen nicht. Das Auto räubert über die linke Kante der Strasse von der Senke und bleibt gerade noch so knapp darauf. Doch die Kurve kriegt unser Guide nicht hin und schlägt mit der ganzen rechten Seite an der Böschung der Senke mit grosser Wucht ein. Alle werden im Fahrzeug drinnen herumgeschüttelt, doch niemand wird verletzt. Als der Landcruiser zum stehen kommt, steigen alle aus. Die Holländer und Engländer schauen sich die Fahrspuren an, Gaby und ich schauen uns nur an und sind froh einem Überschlag entkommen zu sein. Der Guide schaut sich die verkratzen Kotflügel vorne und hinten an. Untersucht mit heftigem rütteln die Hinterachse. Nach einigen Minuten meint er, wir können weiter. Aber piano, meinen wir Touris und so wurde es doch noch eine gemütliche Fahrt zum nächsten Dorf.

In diesem Dorf ist die Hauptattraktion eine Mumie in einem Museum. Wir Touris gehen alle schnell in dieses kleine Museum. Dort erfahren wir über die Menschen die schon seit hunderten von Jahren hier leben, von was sie leben und wie es zu der Mumie kam. Hier in der Gegend soll vor Jahrhunderten einmal giftige Gase von einem Vulkan ausgeströmt und einen grossen Teil der Bevölkerung dadurch gestorben sein. Diese wurden im nahe gelegenen Friedhof in den Steinhöhlen beigelegt.

Diesen Friedhof wollen wir sehen, er ist nur 500m von dem Museum weg. Also gehen wir dort hin und sehen immer noch Gebeine oder sogar Mumien in diesen Höhlen. Es ist richtig gruselig.

Auf der Weiterfahrt überqueren wir nochmals einen Salzsee, der ist aber ganz anders. Er ist braun und hat viele Furchen. Die Fahrt ist richtig holperig geworden. Am Schluss des Salzsees kommen wir auf die Strasse wo Gaby und ich Tage zuvor von Chile her gekommen sind. An einer Lavasteinformation machen wir rast. Alle turnen zwischen den Felsen umher. An einem Vulkankrater sehen wir sogar Rauch aufsteigen. Also muss der ja noch aktiv sein, dass unser gemeinsames Urteil.

Die Fahrt geht nach der Pause rechts ab, einen steilen steinigen Hügel hinauf. An einer Stelle müssen wir sogar aussteigen, weil es im Fahrzeug drinnen alle zu arg durchschütteln würde. Also machen wir einen 200 Meter Fussmarsch auf etwa 3600 müM. Das schlaucht wieder, alle sind am keuchen. Das ist ja auch nicht jedermanns Sache, auf dieser Höhe noch hoch gehen. Dafür werden wir sogleich mit einer Abfahrt zu einer dieser fünf Seen in diesem Tal belohnt. Dieser See leuchtet im Sonnenschein gelb-grün. Das kommt von dem Schwefel und anderen chemischen Stoffen. An einer Bucht werden wir hinausgelassen und wandern ein Stück dem See entlang. In dieser Zeit bereitet der Guide unser Mittagessen. Bei der Bucht stehen zig Flamingos im Wasser. Zwei stehen direkt am Ufer. Alle Touris kommen sehr nahe an diese beiden ran und können das perfekte Bild schiessen.

Das Essen wird uns in dem Haus, das für die Ranger gerade gebaut wird serviert. Es ist angenehm drinnen zu essen, weil draussen ein kalter und bissiger Wind weht. Auf der Weiterfahrt sehen wir die vier weiteren Seen die den gleichen Charme wie der erste See haben. Wir Touris haben keine grosse Lust die Seen von nahem zu sehen und begnügen uns alles vom Auto aus zu fotografieren. Die Fahrt geht über tiefe sandige Pisten. Gaby und ich sind froh nicht diese Strecke von Chile nach Bolivien gewählt zu haben, dass hätte uns viele Schweissperlen, in dieser Kälte, auf die Stirn getrieben. Nach vielen Stunden Auf- und Abfahrten kommen wir an der Hauptattraktion an, dem Arbol de Piedra (Baum aus Stein). Das ist ein Fels der eine baumähnliche Form hat. Er steht aber nicht alleine auf weiter Flur. Dort sind verschiedene Felsen die ganze Felsplatten auf sich drauf liegen haben. Doch in den Prospekten sieht man immer nur den Baum. Wir finden auch die Felsen interessant und nicht nur den Baum.

Wieder nach einigen Stunden Fahrt durch dieses Tal kommen wir zur Laguna Colorada. Dort beim Rangerhaus sehen wir das schon angekündigte Vicuña-Baby. Das Baby läuft immer einem Ranger nach, der in seiner Hosentasche Futter für das Vicuña dabei hat. Wir Touris stürmen das kleine und dürfen es anfassen und fotografieren.Das Fell bzw. die Wolle ist eine der feinsten die es überhaupt gibt. Sie soll gleich nach der Seide kommen und so fühlt sich das Vicuña auch an. Flauschig weich, einfach zum knuddeln.

Danach werden wir zur heutigen Unterkunft gefahren. Diese ist massiv einfacher als das Salzhotel. Wir Touris müssen alle in einem Zimmer schlafen. Ok, das geht noch, aber die Bettqualität lässt stark zu wünschen übrig. Es sind Betten mit einem Drahtgeflecht, die am Rand mit Federn am Rahmen befestigt sind. Dazu kommt eine weiche Schaumstoffmatratze, doch der Höhepunkt ist, dass eine 1.80m lange Person ihre Füsse nicht mehr drin im Bett hat. Man(n) muss die Füsse unten beim Bettgestell, beim Bogen zwischen durch quetschen. Na ja, es wird schon gehen. Draussen im Vorbau des Hauses sitzen wir zusammen mit einer anderen Gruppe von Touris und unterhalten uns über unser Glück. Ein kleiner Ofen wird im Vorbau angemacht, der uns einwenig Wärme spendet. Wir werden wieder mit Tee und Keksen versorgt, bis das Abendessen serviert wird. Doch zuvor fragt uns die Hausherrin, ob wir Medikamente für ihren Sohn hätten. Er habe seit Tagen starken Durchfall und auch schon Blut drin gehabt. Wir alle suchen unsere Reiseapotheken hervor und finden ein passendes Medikament. Dann fragt sie noch, ob jemand von uns Arzt wäre, da ihre Tochter eine Spritze bräuchte und sie keinen Mut habe, sie ihr zu injizieren. Da kommt bei uns Touris Verwirrung auf, weil nicht alle die zwei Geschichten mit bekommen haben. Die einen glaubten, dass das Kind mit dem Durchfall die Spritze bekommen soll und die Tochter, die anscheindend vor vier Tagen ein Baby bekommen hat, etwas gegen Durchfall bräuchte. Nach der Aufklärung der Sachlage und dem Zusagen von Hugh ‚unserem’ einen Holländer, die Fertigspritze der Tochter zu injizieren, wurde alles den entsprechenden Person verabreicht.

Unser Abendessen ist einwenig pampig ausgefallen. Es gibt Spagetti mit einer Gemüse und einer Fleischsauce. Alle hatten sich die Teigwaren etwas mehr aldente vorgestellt, aber sie zerfallen schon auf der Gabel. Die Hygiene die die Leute in der Hütte der Familie zuvor gesehenen hatten, gab vielen auch zu denken. Aber wir haben alle dieses Essen ohne weitere Probleme überlebt.

Nach einer langen Cocaeinführung von dem Engländer und dem Selbsttest gingen alle Touris gleichzeitig ins Bett, da wir Morgen wieder sehr früh raus müssen. Tagwache ist 4:45, Abfahrt um 5:30, somit werden wir die erste Gruppe sein, die losfahren wird.

Dritter Tag, Laguna Verde, Laguna Colorada und die Rückfahrt

Früh morgens erwache ich von dem Lärm im Vorbau. Es scheint als würden die anderen Gruppen schon aufbrechen und wir sind nicht einmal geweckt worden. Gaby steht auf, weil sie dringend aufs Klo muss. Als sie zurückkehrt, weiss sie, dass an unserem Landcruiser die Frontscheibe eingeschlagen worden ist. Das haut alle von uns aus dem Bett, weil auch alle von der Aufbruchstimmung der anderen Gruppe geweckt wurden. Der Guide fragte Gaby, ob sie Klebeband hätte. Natürlich hat jeder so etwas bei sich.

Der Guide konnte es sich nicht erklären, wer und warum einer einen Stein in die Frontscheibe geworfen hat. Ich habe am Vorabend beobachtet, dass unser Guide mit dem Auto noch weg gefahren war und anscheinend auch spät zurückkam. In der Nacht musste ich mal aufs Klo und da stand der Landcruiser vor der Türe und ohne Loch in der Scheibe, soweit ich mich erinnern kann. Vielleicht hat er eins zuviel getrunken, mit einem anderen, oder einem die Frau ausgespannt, aber das sind nur Spekulationen die nicht überprüft werden können.

Auf alle Fälle versuchte der Guide uns auf die anderen Fahrzeuge zu verteilen. Doch niemand hatte einen freien Platz. So wird jetzt die Scheibe mit einer blauen Plastikfolie, mit einem kleinen, raus geschnittenen Guckloch, überzogen und wir müssen so bei eisiger Kälte in den Tag fahren.

Es ist extrem saumässig kalt in dem Auto. Alle montieren ihre Kappen, Handschuhe und das was sonst noch warm gibt. Gaby und ich breiten sogar unseren Schlafsack aus, um an den Beinen genügend warm zu bekommen. Der eine Holländer hat nicht einmal eine richtige Jacke dabei. Ihm geben wir auch einwenig Schlafsack ab, dass er sich nicht zu Tode friert. Die Fahrt wird zum Alptraum. Der Rest der Scheibe bricht unter dem Geholper der Schotterstrasse sehr schnell zusammen. Die Scherben liegen am Fussboden. Zuvorderst sitzt nur unser Guide, der die ganze Kälte durch sein Guckloch abbekommt. Als die Sonne hinter den Bergen hervorkommt wird es nicht viel wärmer.

Als wir nach über einer Stunde Fahrt bei der Thermalquelle beim Lago Blanca ankommen sind alle völlig durchgefroren. Zuerst wollen wir ins warme Wasser gehen, aber alle befürchten, dass beim Herauskommen noch mehr gefroren wird. Die Engländer und der durchgefrorene Holländer entschliessen sich mindestens die Füsse aufzuwärmen. Als sie alle die Füsse drinnen hatten entschliesst sich Gaby auch die Füsse zu wärmen. Kurz nach dem Gabys Füsse im warmen Wasser drin steckten, flucht der Engländer, dass kleine rote Viecher ihn gebissen hätten. Der Holländer bestätigte die Schmerzen. Und alle hatten auf einen Schlag die Füsse wieder im Trockenen. Gaby hatte Glück, sie wurde noch nicht gebissen.

Unser Guide machte während dessen unser lang ersehntes Frühstück. Das haben wir mehr verschlungen, weil wir das Engländerpärchen ja pünktlich am Zoll abgeben müssen. Sonst würde der Bus ohne sie abfahren.

Die Laguna Verde können wir nicht in der grünen Farbenpracht sehen, wie sie auf den vielen Fotos in den verschiedenen Agenturen zu sehen waren. Wir sind zu früh. Es braucht Wind um diesen leuchtenden grünen Effekt zu sehen. Schade.

Wir fahren gerade noch rechtzeitig beim Grenzposten vor, um die Engländer abzugeben. Wir verabschieden uns von ihnen und treten direkt den Heimweg an. Der noch sicher sieben Stunden dauern wird. Bei einer kleinen Siedlung am Lago Blanco halten wir. Der Guide kann dort ein durchsichtiges Plastik kaufen. Diese wird mit viel breitem Tesa-Klebeband dort wo die Frontscheibe wäre angeklebt. Es gibt wieder ein Guckloch, weil die Folie nicht so klar ist. Das Loch wird mit dem Tesa-Klebeband, das genügend Durchsicht gibt, ausgeklebt.

Die Rückfahrt ist schnell erzählt. Es ist einwenig wärmer geworden und somit erträglich. Aber wir haben für das Kleben soviel Zeit verloren, dass unser Guide wieder ins Rasen verfiel. Die Strecke über die Berge ist nicht unterhalten und somit extrem holperig. Bei Abfahrten versuchte der Guide Benzin zu sparen und brachte die Kupplung zum riechen, weil er ohne Gang abwärts gefahren ist.

In einem Dorf wurde uns dann endlich das Mittagessen um drei Uhr nachmittags serviert. Danach blieben wir nochmals für eine lange Weile stecken, weil der Guide ein Elektrikproblem zu haben glaubte. Aber es lag nur daran, dass das Benin nicht mehr durch den Benzinfilter fliessen wollte. Als wir dann auf gute Schotterstrasse trafen, hätte nicht einmal Schumi ihn überholen können. Er raste in die Dämmerung hinein, weil der eine Holländer den Abendbus nach La Paz gerne genommen hätte. Aber auf einen Tag später wäre es ihm auch nicht darauf angekommen.

Gaby und ich sind froh gewesen, endlich ganz in Uyuni angekommen zu sein. Wir wollten diese Tour so nicht stehen lassen und wollten einen Teil unserer Kohle zurück haben. Leider ist die Chefin nicht da. Sie soll laut der Rezeptionistin unseres Hostals an diesem Abend im Agenturbüro sein. Wir legen unsere Tasche in unser Zimmer und gehen auf dem direkten Weg zum Büro. Dort ist niemand. Wir warten draussen und drinnen, aber nach über 1 ½ Stunden in der Kälte warten, gehen wir unverrichteter Dinge zurück.

Am Morgen erwischen wir die Chefin und erzählen was wir böses erlebt haben und einen Teil des Geldes zurück wollen. Nach zähem hin und her kriegen wir zusammen 50 Dollar zurück.

Ich habe die Motorräder gepackt, während Gaby die Verhandlungen führt. Danach fahren wir direkt in Richtung Potosí los.

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