Samstag, 2. Juni 2007

San Pedro de Atacama

Gleich am Morgen machen wir uns auf um San Pedro de Atacama zu erkunden. Es ist ein kleines Städtchen mit Sandsträsschen, Lehmhäusern und total auf Touristen ausgerichtet. Die Einheimischen haben einen deutlich bolivianischen Einschlag. Wie in jeder Chilenischen Stadt und ist sie auch noch so klein, hat sie eine Plaza, meistens im Zentrum des Ortes. Wir setzen uns nach dem ersten Erkundungsrundgang in ein kleines Café in die Sonne und geniessen ein kühles Getränk.

Wir klappern die Tour-Büros ab um möglichst viele Infos über Tour-Routen und Preise zu erfahren. Am Anfang wollen wir die Hauptattraktionen mit dem Motorrad auf eigene Faust erkunden, doch dann erhalten wir ein so gutes Tour-Packet, dass wir unsere Meinung ändern und wir buchen gleich drei Ausflüge. Zuerst das Valle de la Luna, am nächsten Tag den Salzsee mit einem Altiplano See und am dritten Tag am Morgenfrüh die Geysire von el Tatio.

Als wir nach erfolgreicher Jagt im Hostal zurückkommen, kommen wir mit einem österreichischen Pärchen ins Gespräch. Sie heissen Gerlinde und Andi und sind bereits ein Jahr auf Weltreise. Wir erzählen von unserem guten Tourenangebot, welches sie sich noch am gleichen Abend kaufen gehen. Somit werden wir vier alle drei Attraktionen zusammen erleben.

Valle de la Luna

Gleich am ersten Abend besuchen wir das Tal des Mondes (Valle de la Luna). Der erste Stopp auf dieser Tour ist auf einer Anhöhe, wo man über die riesige Pfanne des Salzsees die auf etwa 2500 müM. liegt, schauen kann. Diese Senke soll um die 300’00 Hektaren gross sein. Damit ist es der drittgrösste Salzsee der Welt. Im Hintergrund der Szenerie stehen verschiedene zum Teil noch aktive Vulkankegel, die bis auf knapp 6000 müM. hinauf reichen. Diese Weite zu sehen ist einfach atemberaubend. So etwas haben wir in der Schweiz einfach nicht mehr, ausser vielleicht in den Bergen im kleineren Massstab. Bei uns ist jeder Zentimeter des Landes komplett aufgeteilt und hier gibt es wirklich diese weiten Gegenden, wo niemand wirklich etwas damit anfangen kann.

Nach dem kurzen Stopp, werden wir mit dem Bus zum Todestal (valle de la muerte) gefahren. Hier kann man die unterschiedlichen Steinschichten der verschiedenen Jahrtausenden an den unterschiedlichen Brauntönen erkennen. Bei einer Kante wo man über das Tal sieht, erkennt man kleine Hügel auf der Talsohle. Dieses Gestein war vor Jahrmillionen waagerecht, die aber durch das Anheben der Anden umgekippten und jetzt die Jahrtausendenringe nach oben zeigen.

Wieder geht die Tour weiter und zwar zu den Salzkavernen. Dort kraxeln wir durch Salz- und Gesteinstunnel und Höhlen. Man hat den Eindruck, dass man aus diesem Labyrinth nie mehr herausfinden wird. Aber unser Guide hat alles im Griff. Irgendwann führt der Weg wieder in höhere Gefilde und man kann die Kaverne von oben knapp noch erkennen. Auf dem Weg zurück erkennt man auf der Oberfläche die Salzkrusten, die aber eher braun als weiss sind. Nachdem es geregnet hat, was hier extrem selten ist (10mm pro Jahr), erscheinen diese Salzkrusten in blütenweiss und dann leuchtet der Hügel Schneeweiss, so erzählt es uns unser Guide.

Alle Touris sehen wie es allmählich dunkler wird und wir wollen endlich im valle de la luna die Andenkette im vollen Rot leuchten sehen. Bei dem besten Spot des Tales angekommen, erklärt der Guide wo man die Aussicht am besten geniessen kann. Auf der linken Seite einer Krete, wo Gaby und ich am Fusse im Sand hoch gestampft sind, richten wir uns für das grosse Schauspiel ein. Viele Touris treibt es rechts über die Sanddüne auf einen etwas höher gelegenen Bergkamm, der ist aber weiter entfernt und die Aussicht soll nicht besser sein.

Gaby und ich knipsen und filmen von der kargen Steinlandschaft was unsere Kameras hergeben. Als die Sonne ganz hinter uns verschwunden ist, beginnen zuerst die Spitzen der Vulkane und dann die ganze Gebirgskette rot zu leuchten. Leider reicht es heute nicht bis zum Rand der Salzpfanne, aber das macht der Stimmung keinen Abbruch. So schnell das Rot gekommen ist, so schnell war das Specktakel auch wieder vorbei. Aber die Erinnerungen bleiben. Im Halbdunkeln stampfen Gaby und ich in Richtung Bus, der uns alle wieder wohlbehalten nach San Pedro de Atacama zurück bringt.

Der Salzsee und seine Umgebung

Gleich Tags darauf werden wir morgens um 8 Uhr vor unserem Hostal abgeholt. Gerlinde und Andi sind auch mit dabei.

Zuerst werden wir in eine Schlucht gefahren, wo früher die vorbeiziehenden Indios Rast gemacht haben. Einige Steinkrizelleien zeigen, dass hier wirklich vor Jahrtausenden jemand vorbeigekommen sein musste. Auf der Fahrt erklärt uns ein neuer Guide, dass es hier diesen Salzsee nur gibt, weil es keinen Abfluss für das Wasser hat und darum hier das Wasser von allen Bergkämmen aufgefangen wird um danach zu verdunsten. Viele erzählen heute noch, dass das Salz von einem alten Meer, das beim Anheben der Anden gefangen wurde, stammen soll. Aber die zwei bis sieben Meter dicke Salzkruste könne nicht davon stammen, weil das Meer sonst Kilometer tief hätte sein müssen. Woher das viele Salz nun herkommt, blieb er uns leider als Antwort schuldig. Nach einer einstündigen Fahrt kommen wir endlich auf dem Salzsee ’Salar de Atacama’ an und bewundern die fressenden oder gerade über uns hinweg fliegenden Flamingos. Interessanterweise ist dieser Salzsee nicht flach wie man es erwarten würde. Seine schroffe Oberfläche bekommt er von dem Gestein das unter ihm liegt. Dieser Vulkanstein hat die Eigenschaft das Wasser aufzusaugen, um danach das gelöste Salz im Wasser auf der Oberfläche wieder verdunsten zu lassen. So wächst die Oberfläche des Steines mit der Salzkruste und bildet diese schroffe Oberfläche des Salzsees.

Auf dem Nachmittagsprogramm stand die Besichtigung zweier Lagunen auf über 4200müM. Aber bevor wir uns in diese Höhen hinauf schwingen, wurde in einem kleinen Dorf noch unser Mittagessen reserviert, dabei kommen wir bei einem zahmen Vicuña vorbei das natürlich von allen gestreichelt werden musste. Seine Haare im Fell sind so flauschig, dass es anscheinend gleich an zweiter Stelle nach der Seide kommen soll. Die kugelrunden schwarzen Augen sind einfach zum verlieben. Wir konnten uns fast nicht von dem Vicuña losreissen, aber wir mussten.

Die Fahrt zu den Lagunen ging über eine Schotterpiste. Als wir oben bei der ersten Lagune angekommen sind, waren alle froh aussteigen zu können. Auch hier war das Panorama mit den beiden Vulkanen im Hintergrund umwerfend, aber es ist hier oben sau kalt. Es bläst ein giftig kalter Wind über diese beiden Lagunen. Alle knipsten ihre Fotos um schnell wieder in den Bus einsteigen zu können.

Vom Hunger geplagt, waren wir alle froh endlich beim Restaurant angekommen zu sein und etwas Essen zu können. Es war eine einfache Küche mit einer Suppe aus Gemüse und Poulet. Als Hauptgang wurde Lamafleisch mit Reis und schwarzen Kartoffeln serviert. Es war sehr schmackhaft.

Gut gestärkt traten wir den Heimweg an. Bei einem Dorf machten wir nochmals halt, um ein Lamababy zu sehen. Das schneeweisse Baby war auch so herzig wie das Vicuña. Alle Touris durften das Baby und die Mutter mit ihrer Lieblingsspeise füttern. Nach all dem Specktakel ging es danach direkt zum Hostal zurück.

Die Geysire

Diese Tour startete zu einer unchristlichen Zeit. Morgens um 4 Uhr mussten wir mehr oder weniger wach vor dem Hostal stehen. Gaby und ich schafften es mehr oder weniger locker. Die Fahrt im Bus zu den Geysiren war frostig kalt. Draussen hatte es weniger als fünf Grad minus und im Bus wurde nicht gross geheizt. Das kleine Schlottern dauerte etwa zwei Stunden über die Schotterpiste im Bus. Dort angekommen war es immer noch ziemlich dunkel. Der Guide meinte, dass wir uns die Geysire anschauen sollen, während dessen würde er das Frühstück vorbereiten. Gaby und ich hatten keine Lust in der Dunkelheit und in dieser Saukälte die Fontänen zu bestaunen. Wir hockten uns nochmals in den Bus und warteten bis das Frühstück bereit war. Die warme Schokolade wärmte der Guide in einer kleinen heissen Quelle. Gaby und ich verzerrten die Sandwichs und die warmen Getränke die aufgetischt wurden. Dabei kam langsam aber sicher die Sonne hervor. So zogen wir doch noch um die Löcher die mit heissem Wasser sprudelten oder heissen Dampf hinaus bliesen. Danach wurden wir zum Pool gefahren wo wer wollte, ein wärmendes Bad nehmen konnte. Gaby war die Erste im gerade richtig temperierten Wasser. Am Schluss waren wir zu siebt von unserer Gruppe, die ein heisses Bad genossen. Man musste aufpassen, dass man nicht vom Boden her aufsteigendem heissem Wasser verbrüht wurde. Das schlimmste war nachher das herauskommen und sich wieder anzuziehen. Nicht die Kälte am Körper war schlimm, sondern die kalten Füsse.

Leider soll dieses Gebiet in ein paar Monaten geschlossen werden, weil die Chilenen dieses geothermische Feld für die Stromgewinnung nutzen wollen. In den 60ger Jahren wurde schon einmal ein Versuch gestartet, die Ruinen stehen heute noch. Aber damals kamen sie zum Schluss, dass es nicht wirtschaftlich sei. Aber jetzt soll es das auf einmal sein.

Die Tourorganisatoren verlieren dadurch etwa 50% ihrer Einnahmen, was ein riesiger Einschnitt sein wird. Sie kämpfen gemeinsam gegen den Entscheid, aber die Chancen stehen wie immer in solchen Fällen schlecht.

Auf dem Rückweg sahen wir bei einem Halt verschiedene einheimische Tiere wie Enten, Lamas, Vicuñas, eine Art Nandu (mit dem Strauss verwant) und ein kleines Tier, das dem Chinchilla sehr ähnelt.

Am Mittag wieder im Hostal angekommen, wurde der Morgen nachgeschlafen, um uns später für die Weiterfahrt nach Bolivien vorbereiten zu können

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